Kantonesische Stickerei unterscheidet sich von den chinesischen Stickereistilen durch das aufwendige und vielfaeltige Design. Die sehr real wirkenden Motive finden weltweit grosse Beachtung. Yue-Stickerei wird hauptsaechlich in der Region Guangdong hergestellt, die allgemein als das kantonesische Zentrum Chinas bezeichnet wird.
Sie entwickelte sich aus den Handarbeiten der Li-Minderheit und wurde vermutlich waehrend der Tang-Dynastie (618-907) eingefuehrt. In der Ursprungsgeschichte wird berichtet, dass ein Maedchen namens Lu Meiniang den 7. Band des buddhistischen Fahua-Sutras auf ein nur 11 Quadratzentimeter grosses Stueck Seide stickte. Das Werk entstand vermutlich zu der Zeit, als sich Yue-Stickerei sich zu einer allgemein anerkannten Volkskunst ausbreitete.
Waehrend der Song-Dynastie (960-1279) entwickelte sich Guangzhou zu einem wichtigen Handelshafen und Yue-Stickereiwaren wurden nach Suedostasien und andere chinesische Regionen exportiert, so dass sich ihr Bekanntheitsgrad weiter steigerte. Zu den ausgefuehrten Artikeln zaehlten Wandbehaenge, Decken und edle Kleidung.
Einige Historiker gehen davon aus, dass Yue-Stickerei sich zur Zeit der Ming Dynastie (1368-1644) entfaltete und das es ein Wiederaufleben des Kunsthandwerks waehrend des 17. und 18. Jahrhunderts gab.
Zur Regierungszeit des Kaisers Qianlong der Qing Dynastie (1644-1912) wurde ein Handwerkerverband gegruendet, der fuer die Weiterentwicklung der Yue-Stickerei verantwortlich war. Auf der Panama-Weltausstellung 1915 erhielten Yue-Stickereierzeugnisse hohe Auszeichnungen fuer anspruchsvolles und lebendiges Design.
Urspruenglich benutzte man auch Pfauenfedern zum Sticken und Haare vom Pferdeschweif für den groben Entwurf. Heutzutage werden Pfauenfedern manchmal dazu verwendet um besondere Akzente zu setzen oder um einzelne Bilder miteinander zu verbinden, gestickt wird jedoch hauptsaechlich mit Seidenfaeden. Yue-Stickerei ist glatt und gleichmaessig und unterscheidet sich dadurch von anderen Stilen. Sie schließt auch Techniken, wie Gobelinstickerei, Baumwollstickerei und Stickereien aus Gold und Silber mit ein.
Zur Yue-Stickerei gehoeren auch die Guang- und Chao Stickereien. Guang-Stickerei zeichnet sich durch die lebendigen Farben und die verschiedenen Stichtechniken aus. Chao-Stickerei kennt weniger Sticharten und die Arbeiten sind oft mit symmetrischen oder geometrischen Motiven versehen.
Im Jahr 2006 wurde Guang-Stickerei in die Liste des nationalen immateriellen Kulturerbes Chinas mit aufgenommen. Als Teil der traditionellen Volkskultur wurde sie unter besonderen Schutz gestellt und zum Vermaechtnis von Guangdong erklaert. Zu den am haeufigsten verwendeten Motiven zaehlen Drachen, Phoenix, Blumen und Voegel, hergestellt in kontrastreichen Farben. Muster auf Kostuemen oder Dekorationsartikeln werden mit Seide-, Gold- und Silberfaeden gestickt.
Aber auch viele andere Produkte schmuecken sich mit kantonesischer Stickerei, wie Kissenbezuege, Tischdecken, Schals, Kleidung und Wandbehaenge. Die einzigartigen und eleganten Kunstwerke werden auch weiterhin bestehen und jedem Raum eine warme und besondere Atmosphaere verleihen.
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